Gemeinsames, geselliges Trinken

27.10.2011

von Ruedi Stricker

Kongresse, Symposien und Tagungen sind hervorragende Gelegenheiten für Aktivitäten, für die Familien und Arbeitgeber zu wenig Verständnis aufbringen. Hier ein paar Tipps, um Stolperfallen zu umgehen.


Korrektes Äusseres

Falls Ihnen ein Stadtpräsident vorgestellt werden sollte, wollen Sie nicht in ungeputzten Schuhen dastehen. Wenn Sie unerwartet auf die Bühne gebeten werden, risikieren Sie, dass Ihr schlecht rasiertes Gesicht am Abend in der Tagesschau gezeigt wird. Oder noch schlimmer: Eine Knigge-Expertin referiert über den richtigen Auftritt und zählt schlechte Beispiele auf, während Ihnen auffällt, dass man in mehreren Sitzreihen über Sie zu tuscheln beginnt.

Visitenkarten
Nehmen Sie keine Visitenkarten mit, wenn Sie den Eindruck vermeiden wollen, Sie seien nur erschienen, um krampfhaft neue Kontakte herzustellen. Wenn Sie nach einer Karte gefragt werden, verweisen Sie an Ihre Assistentin, die gern eine solche per Post verschickt.

Check in
Checken Sie nicht zu früh ein. Sie riskieren sonst, unangesprochen herumzustehen und für einen stinknormalen
Bürger gehalten zu werden. Auch gespielte Zeitungslektüre hilft da nicht; Sie werden ebenso durchschaut wie jene Angeber, die ständig ein Handy ans Ohr halten, obwohl jedermann weiss, dass Sie in diesem Raum sowieso keinen Empfang haben.

Kaffeepausen
Als Erster aus dem Saal zu stürmen, um sich einen warmen Buttergipfel zu sichern, gilt als unfein. Geben Sie sich grosszügig und unterdrücken Sie abschätzige Bemerkungen über Mitmenschen, die nicht Schlange stehen können.
Unerwünschte Begegnungen

Auch das ist kaum zu vermeiden: Sie werden von einem ehemaligen Kollegen gesehen, dem Sie lieber aus
dem Weg gehen würden. Spielen Sie nicht den Kurzsichtigen, der Andere hat Sie längst durchschaut. Gehen
Sie forschen Schrittes auf ihn zu, grüssen Sie ihn auf drei Meter Distanz und gehen Sie weiter, ohne das Tempo zu reduzieren.

Verhalten während Referaten
Geben Sie sich als interessierter, nicht unkritischer Zuhörer. Halten Sie den Kopf leicht schräg und machen Sie hin und wieder diskret, aber sichtbar Notizen. Stellen Sie keine Fragen. Sie riskieren sonst den Eindruck, die bereits publizierten Bücher des Referenten nicht zu kennen. Diskretes Raunen wird im Allgemeinen eher akzeptiert als laute Buhrufe. Werfen Sie auch keine Gegenstände auf die Bühne.

Stehlunch
Gegen Sie dem GAU aus dem Weg. Ursache für den GAU ist meistens Tomatensauce in unkontrollierbarer Flugbahn. Wenn Sie sich azyklisch verhalten, stehen Sie nicht Schlange und können mittels grosszügiger Dessertportionen Salat sparen. Seien Sie auf der Hut, wenn Ihnen mit übertriebener Aufmerksamkeit guter Rotwein angeboten wird. Es könnte sein, dass Sie ihn bezahlen müssen.

Umgang mit Frauen (gilt für männliche Teilnehmer)
Prägen Sie sich die folgenden Grundsätze unbedingt ein: Bevor Sie bei einer Dame Kaffee bestellen, vergewissern Sie sich, dass es sich bei ihr nicht um eine Referentin handelt. Verwechseln Sie während des Small Talks nicht das  Dekolleté mit der Brille. Rechnen Sie damit, dass die Frage "Was tut so eine attraktive Dame an einem solchen Anlass?" nicht immer als Kompliment verstanden wird.

Umgang mit Männern (gilt für weibliche Teilnehmer)
Prägen Sie sich die folgenden Grundsätze unbedingt ein: Falls ein Mann bei Ihnen einen Kaffee bestellt, bedanken Sie sich und entfernen Sie sich. Er wird selber merken, dass Sie keine Kellnerin sind. Falls ein Mann im Gespräch Ihr Dekolleté mit Ihren Augen verwechseln sollte, fragen Sie ihn, ob er Herrn Fielmann kennt. Die Frage "Was tut so eine attraktive Dame an einem solchen Anlass?" kontern Sie am besten mit "Was hat ein so intelligenter Mann an einem Model Casting verloren?"

Abgang
Verzichten Sie auf die Mitnahme von Lachsbrötchen und angebrochenen Flaschen. Wenn Sie erhaltene Visitenkarten noch vor dem Aufbruch entsorgen, tun Sie dies diskret. Sie wissen sicher, warum.

* Symposium (lat.)
Quelle: Unternehmerzeitung Nr. 11, November 2011

 

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